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05 Jul 2012

Sonne, gebräunte Haut und Tätowierungen: Teil 2, verheilte Tattoos

Tätowierungen sind für immer. Das weiß jeder. Gerade dieser Aspekt von Ewigkeit verleitet zu der Annahme, dass etwas, was für immer ist, auch immer so bleibt, wie es ist. 
Dem ist aber in Bezug auf Tätowierungen nicht so.
Sie werden Teil eines lebenden Organs, und je nachdem, wie Sie Ihr Leben gestalten, werden sich Ihre Haut -und damit auch Ihre Tätowierungen- verändern. 

Teil 1: Was passiert bei frischen Tätowierungen in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 2: Was passiert bei verheilten Tattoos in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 3a: Ist Bräunung VOR dem Tattootermin ok?
Teil 3b: Dunklere Hauttypen
Teil 4: Was kann ich für den optimalen Langzeiterhalt meiner Tattoos tun?
 

Was passiert bei verheilten Tattoos in Kontakt mit UV-Strahlung?

Es geht uns nicht darum, dass Sie Ihr Leben einer Tätowierung unterwerfen und ab sofort Ihre Tage im Keller verbringen sollen, um einem vermeintlichen Ideal zu dienen. Es geht darum, dass Sie als mündiger Tattooträger bewusst entscheiden, ob Sie bestimmte Risiken in Kauf nehmen und mit den Folgen leben können und wollen.
 
Auch verheilte, möglicherweise jahrealte Tattoos sind nicht immun gegen UV-Strahlung. Dass da “irgendwas im Gange ist” merken Sie spätestens dann, wenn Sie zum ersten Mal in der Sonne Unterschiede im Temperaturempfinden bemerken. Je nach Farbeintrag und Aufbau fühlt sich tätowierte Haut wärmer an.
 
Es werden zwei Vorgänge angestoßen, einer durch die UV-B-Strahlung und einer durch die UV-A-Strahlung:
Stellen Sie sich mal ein kleines Gewächshaus mit zwei Etagen vor.
Das Erdgeschoss mit den bunten Blumen entspricht der Dermis mit den Tattoopigmenten, das Obergeschoss entspricht der Epidermis und ist bis auf Sonnensegel leer. 
Wenn Sie braun werden, dann ist das eine Abwehrreaktion ihres Körpers, damit Ihre Zellkerne (DNS) nicht weiter durch die Strahlung zerstört werden.

UV-B lässt Ihre Epidermis Melanin bilden, ein eigenes Pigment, das als Schutz vor der Stahlung dient. UV-A-Strahlung bewirkt dann, dass diese Pigmente dunkel werden.
Die Sonnensegel im Obergeschoss unseres Gewächshauses werden also zugezogen.
Folge: Man sieht die bunten Blumen nicht mehr.
Die Bräunung liegt wie ein Farbfilter über der Tätowierung, dadurch werden Kontraste genommen und Farben verfälscht. Kalte Töne erscheinen schmuddelig, das Bild insgesamt weniger klar und lesbar.
 
Dieser optische Effekt ist vorübergehend und tritt genauso auch mit Selbstbräunern auf. Da wird ja auch die obere Etage eingefärbt, nur ist dabei keine Strahlung beteiligt.
 
UV-A-Strahlung dringt viel tiefer ins Gewebe ein, sie zerstört die Kollagenverbindungen in der Dermis (wo die Tätowierung liegt). Um beim Gewächshaus zu bleiben:
Bei den Blumen im Erdgeschoss werden umfassende Umbau- und Abrissarbeiten an der Gebäudekonstruktion durchgeführt. Dass dabei die Blumen in Mitleidenschaft gezogen werden ist klar, manche werden auf einen Schlag zertrümmert, manche langsam zerdrückt, manche liegen in einem Berg von Schutt und toten Pflanzen.
Genauso ist es in der Haut. Die Pigmente werden abgebaut und die, die in der richtigen Etage bleiben, werden sozusagen als Nebenwirkung der Kollagen-Abrissarbeiten ein ganz winziges Stück verschoben.
Folge: Man sieht es nicht sofort, aber im Laufe der Jahre bleicht das Tattoo immer mehr aus und die Konturen werden immer unschärfer.
 
Es liegt in der Natur der Sache, dass Ihre Haut altern wird, dass Kollagen abgebaut wird und bedingt durch die Zellteilung die Tattoopigmente etwas in der Haut migrieren. Dagegen hat niemand etwas, jeder Tätowierer schätzt und respektiert in Würde gealterte Tätowierungen.
Ihnen sollte aber klar sein, dass ungeschützte Sonnen- und Solarienexposition den ultimativen Alterungsboost für ihre Tätowierungen bedeuten.
Dann kann eine zwei Jahre alte Tätowiererung wie eine 15 Jahre alte Arbeit aussehen.
 
“Aber das kann man doch nachstechen”
Das ist der Satz, der in diesen Fällen immer kommt. Ja, man kann Tätowierungen auffrischen lassen, wenn man es für notwendig hält. Bei normalem Alterungsverhalten vielleicht nach 15 oder mehr Jahren.
Es ist aber kein sinnvoller Plan, sich sein Tattoo wegzubraten und dann alle zwei Jahre einfach die Stelle nachtätowieren zu lassen. Jedes Nachstechen ist eine Verletzung, und mit der fortschreitenden UV-Schädigung der Hautstruktur wird es zwangsläufig und unvermeidbar irgendwann zu Vernarbungen kommen. Ihre Haut ist nicht unendlich belastbar. Deshalb überlegen Sie, was für Sie der richtige Weg ist.
 
Weiter geht es hier mit
Teil 1: Was passiert bei frischen Tätowierungen in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 3a: Ist Bräunung VOR dem Tattootermin ok?
Teil 3b: Dunklere Hauttypen
Teil 4: Was kann ich für den optimalen Langzeiterhalt meiner Tattoos tun?