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07 Jul 2012

Sonne, gebräunte Haut und Tätowierungen: Teil 3, Bräunung vor dem Termin

Dass man nach einem Tattootermin nicht in die Sonne sollte, das hat jeder schon mal irgendwo gehört oder gelesen. Für das Tattooergebnis ist es aber genauso wichtig, mit welchem Bräunungsgrad Sie zum Termin kommen.

Teil 1: Was passiert bei frischen Tätowierungen in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 2: Was passiert bei verheilten Tattoos in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 3a: Ist Bräunung VOR dem Tattootermin ok?
Teil 3b: Dunklere Hauttypen
Teil 4: Was kann ich für den optimalen Langzeiterhalt meiner Tattoos tun?
 

Ist Bräunung VOR dem Tattootermin ok?

Um es kurz zu machen: NEIN.  
Es gibt die routinierten Langzeitbräuner (berufsbedingt oder freiwillig) und die Überraschungseier (immer freiwillig).
Bei den Langzeitbräunern kann sich der Tätowierer schon weit vor dem Termin einen Eindruck von der Hautstruktur machen.
Durch UV-Strahlung vorgeschädigte Haut ist weniger belastbar und reagiert während des Tätowierens anders. Das sollte berücksichtigt werden. Die Hautspannung ist verändert, bei manchen ist die Epidermis verdickt und reißt leicht, die Haut ist insgesamt sehr trocken. Deshalb sollten bestimmte Nadelformationen nicht benutzt werden und es muss insgesamt etwas anders gearbeitet werden, um die Verletzung so gering wie möglich zu halten.
 
Wenn sich die Hautoberfläche als ein Sammelsurium unterschiedlich pigmentierter Flecken darstellt, oder wenn auch nur einige wenige Muttermale (Naevi) in auffälliger Form oder Farbe vorhanden sind, oder eine einzige etwas hellere, schuppige Stelle, dann sollten Sie zu einem Hautarzt gehen, bevor Sie überhaupt an ein Tattoo denken. Solche Hautveränderungen werden nicht tätowiert. Das ist zu Ihrer Sicherheit. Wir meinen es nicht böse, wenn wir Ihnen bei der Besprechung die Hausaufgabe geben, die Hautveränderungen professionell beurteilen zu lassen.
Wenn es eine “Tattoofreigabe” vom Arzt gibt, dann werden Male beim Tätowieren ausgelassen, sind aber in der Folge bei Hautarztbesuchen trotzdem schwerer zu lokalisieren als auf untätowierter Haut.
 
Das Motiv sollte auch schon direkt für Ihre Hautstruktur geplant werden: In der Farbwahl und Farbpalette sollten Sie zugunsten der Haltbarkeit von hellen, kalten Tönen Abstand nehmen, sofern Sie nicht ab sofort Ihre Gewohnheiten oder den Arbeitsplatz ändern. Beides ist schwer bis unmöglich.
Von hellen, ganz zart schattierten Tattoos würden Sie nicht lange etwas haben, deshalb sollte Ihr Motiv stabil und kontrastreich angelegt werden.
 
Die Überraschungseier sind die Kunden, die zur Terminvereinbarung und Motivbesprechung mit ihrem natürlichen Teint gekommen sind, aber einige Monate später zum Termin -Überraschung- gebräunt erscheinen. Das ist genau dann eine etwas blöde Situation, wenn das geplante Motiv eine ganz andere Arbeitsweise verlangt, als diese Hautsituation zulässt. Auch kann manchmal das ursprünglich geplante Farbkonzept nicht wie besprochen umgesetzt werden, sondern sollte auf das veränderte Arbeitsmedium angepasst werden. Das erfordert Flexibilität und Kooperationsbereitschaft von beiden, vom Tätowierer und vom Kunden.
 
In ganz seltenen Fällen findet der Termin dann auch gar nicht statt (und gilt formal als geplatzt), nämlich dann, wenn ein Kunde mit Sonnenbrand am zu tätowierenden Körperteil kommt und darauf besteht, dass er (oder sie) jetzt an genau diesem Körperteil und keinem anderen tätowiert wird. Das hat dann nichts mit gutem oder bösem Willen zu tun, es geht nicht. Ein Sonnenbrand ist ein Entzündungsvorgang in der Haut. Das Immunsystem ist aktiviert, die Gefäße erweitert (Rötung und Wärme), die Haut ist extrem empfindlich und schmerzt. Entsprechend starke Schmerzen und starker Wundfluss wären während des Tätowierens zu erwarten, und dann wäre das Leid auch noch vergeblich: Die Heilung würde komplikationsanfällig, unnötig lange und mit großem Farbverlust verlaufen. Das sollte sich niemand antun.
  

Dunklere Hauttypen

Sie fragen sich jetzt vielleicht: Aber was ist mit den ganzen Menschen mit brauner, dunkelbrauner oder schwarzer Haut? Die Hauttypen 4,5 und 6? Die lassen sich doch auch tätowieren!
Ja, das ist auch etwas anderes. Diese Menschen haben von Natur aus mehr Melanin in der Epidermis, daher muss für ein optimales Ergebnis die Farbpalette und der Kontrast dem Teint angepasst werden.
Der Unterschied zu Solariengängern und Sonnenanbetern hellerer Hauttypen liegt darin, dass naturdunkle Hauttypen eine gesunde Hautstruktur(!) mit altersgerechter Hautspannung und angemessenen Feuchtigkeitshaushalt haben. Ein Hauttyp 4 kann also wesentlich unkomplizierter tätowiert werden als ein Typ 2 mit Sonnenbank-Abo.
 
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Teil 1: Was passiert bei frischen Tätowierungen in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 2: Was passiert bei verheilten Tattoos in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 4: Was kann ich für den optimalen Langzeiterhalt meiner Tattoos tun?