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04 Jul 2012

Sonne, gebräunte Haut und Tätowierungen: Teil 1, frische Tattoos

Bislang haben wir in diesem Jahr ja einen On-Off-Sommer.
Gehören Sie auch zu den Menschen, die in einer Art Torschlusspanik jeden Hauch von Sonnenstrahl erhaschen wollen – sozusagen auf Vorrat, denn man weiß ja nicht, wann der nächste kommt?
Zur Zeit kommen unglaublich viele Menschen mit gebräunter Haut und gebräunten Tattoos ins Studio. Wenn ich durch die Stadt gehe, dann sehe ich alle paar Meter Tätowierungen, die offensichtlich keine vier Wochen alt sind, ungeschützt in der Sonne. 

Das Schlimme daran ist, dass ziemlich viele qualitativ hochwertige Arbeiten dabei sind. Einerseits ist es ja gut, wenn vermehrt gute Tätowierungen im Alltag auftauchen, dann sehen die Menschen, dass es auch abseits vom Klischee geht.
Aber gerade um diese guten Arbeiten ist es jammerschade, wenn sie in die Sonne gehalten werden. Da stecken Liebe, Sorgfalt, Grips, Schmerzen und Geld drin, die Träger sind (zu Recht) stolz und wollen das zeigen, aber: Sie machen ihre Tattoos dadurch kaputt. Wir können ja schlecht (zum Teil wildfremde) Leute anquatschen und die fragen, ob sie überhaupt wissen, was sie da gerade tun…
 
Denn wenn man es nicht weiß, dann kommt das Bedauern, sobald man die Auswirkungen bemerkt. Deshalb hier eine kleine Serie zum Thema Tattoos und Sonne:

Teil 1: Was passiert bei frischen Tätowierungen in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 2: Was passiert bei verheilten Tattoos in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 3a: Ist Bräunung VOR dem Tattootermin ok?
Teil 3b: Dunklere Hauttypen
Teil 4: Was kann ich für den optimalen Langzeiterhalt meiner Tattoos tun?

Was passiert, wenn frische Tätowierungen der UV-Strahlung ausgesetzt werden?

Eine frische Tätowierung ist eine Verletzung und verhält sich auch wie jede andere Wunde:
Der natürliche, körpereigene UV-Schutz ist durch die Verletzung erstmal zerstört. 
Nochmal:
Der natürliche, körpereigene UV-Schutz ist durch die Verletzung erstmal zerstört. Null, nichts mehr da.
Die UVA und UVB Strahlung trifft ungehindert bis in tiefe Gewebeschichten und richtet dort Schäden an. Es finden dann für das Immunsystem zwei Partys statt: Parallel zur Party “Tattooheilung” läuft dann die Party “Entzündungsreaktion auf UV-Angriff”, beides mit dem Ziel die Haut zu reparieren, aber das Immunsystem kann die beiden Tanzflächen nicht auseinander halten und rockt dann wild auf beiden.
 
Auswirkungen:
Es kann es schon nach 2 Minuten Sonnenexposition zu Verbrennungen kommen,
die Stelle schmerzt oder fühlt sich seltsam an,
manche Menschen bekommen einen Ausschlag (“Sonnenallergie”),
die Tätowierung wird zum Relief,
Juckreiz,
die Tätowierung schält sich ein weiteres Mal,
die Farbpigmente können sich nicht wie geplant in der Dermis setzten sondern werden übermäßig abgebaut,
“matschiges”, etwas unscharfes Farbergebnis oder sogar
dauerhafte Vernarbung des Tattoos.
Egal, ob es “nur” zu Irritationsgefühlen mit matschigem Farbergebnis oder zu einem ausgewachsenen Sonnenbrand mit anschließender Vernarbung kommt, das braucht alles kein Mensch.
 
Für wie lange ist eine neue Tätowierung “frisch”?
Der Heilvorgang dauert wesentlich länger als man wahrnimmt. Dabei werden verschiedene Phasen durchlaufen, die bei jedem unterschiedlich lange brauchen. Etwa nach 5 bis 6 Wochen sind die Zellwände wieder so fit, dass normale Kosmetikprodukte benutzt werden können. Ohne Risiko für Schäden am Tattoo durch diverse Inhaltsstoffe. 
Ab dann kann man Sonnenschutzmittel benutzen.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Tätowierung durch Kleidung bedeckt sein sollte. Auch im Schatten oder bei schlechtem Wetter.
Immer, wenn Sie bei Tageslicht das Haus verlassen. Ja ich weiß, das klingt für viele erstmal verrückt.

Falls Sie in einem größeren Tattooprojekt mit mehreren Sitzungen im Monatstakt stecken, dann sind Sie praktisch die gesamte Projektdauer über “frisch”. Wenn Sie Ihre Haut die gesamte Zeit über nicht konsequent schützen, dann riskieren Sie es Ihr Projekt zu sabotieren. Es ist nicht möglich, unter solchen Bedingungen die gleiche Qualität in der gleichen Zeit abzuliefern wie bei ungeschädigter Haut mit guten Heilergebnissen. Der Umgang mit UV-Schäden und die notwendigen Korrekturen brauchen Zeit, und die Zeit kostet Ihr Geld. 
Das ist für Sie frustrierend, weil Ihr Projekt am Ende länger dauert und mehr kostet als erwartet, aber es ist auch für den Tätowierer frustrierend, weil seine Arbeit ständig behindert oder gar zerstört wird. Ich spreche nicht nur von Denis, sondern das geht jedem Tätowierer so, dem es nicht egal ist was mit seinen Kunden und den Arbeiten ist. Noch nie habe ich von einem Tätowierer “Was soll’s, bringt mehr Umsatz” gehört, aber unzählige Male “Wozu habe ich mir solche Mühe gegeben?”…
 
Die allermeisten Studios geben ihren Kunden 6 bis 8 Wochen absolute Sonnen- und Solarienabstinenz mit auf den Weg. Das ist nicht um Sie zu nerven oder um Sie zu beschäftigen, sondern es geht darum, dass Sie möglichst keine unangenehmen Komplikationen mit Schmerzen, Folgekosten und suboptimale Heilergebnisse bekommen!
 
Weiter geht es hier mit
Teil 2: Was passiert bei verheilten Tattoos in Kontakt mit UV-Strahlung?
Teil 3a: Ist Bräunung VOR dem Tattootermin ok?
Teil 3b: Dunklere Hauttypen
Teil 4: Was kann ich für den optimalen Langzeiterhalt meiner Tattoos tun?